Kundengewinnung · · 9 Min. Lesezeit
Der Weg ins Geschäft: Wie die Customer Journey vor dem Ladenbesuch wirklich abläuft
Die Customer Journey bis zum Ladenbesuch zeigt, welche Kontaktpunkte Kunden vor dem Betreten Ihres Ladengeschäfts wirklich nutzen.
Kunden durchlaufen vor dem Ladenbesuch meist fünf Stationen in ihrer Customer Journey: einen Auslöser, eine kurze Online-Suche, einen Vergleich, die Entscheidung und dann den konkreten Weg ins Ladengeschäft. An mehreren Punkten dazwischen springen Kunden ab – oft nicht wegen des Preises, sondern wegen fehlender Information, Unsicherheit oder schlechtem ersten Eindruck. Wer diese Stationen kennt und ein paar praktische Stellschrauben dreht, erzielt spürbar mehr echte Besuche im Geschäft.
Die folgenden Abschnitte beschreiben typische Alltagssituationen kleiner Einzelhändler – Juweliere, Goldschmiede, Handwerker mit Ladenlokal, Fachgeschäfte. Es geht darum, was Kunden auf dem Weg in Ihr Geschäft erleben, ohne dass Sie es mitbekommen. Und was Sie mit überschaubarem Aufwand verbessern können.
Welche Stationen umfasst die Customer Journey bis zum Ladenbesuch?
Die Customer Journey (der Weg des Kunden bis zur Kaufentscheidung) verläuft bei lokalen Käufen meist in fünf Schritten. Sie können die Stationen bei den meisten Ihrer Kunden beobachten – egal, ob es um Trauringe, neue Schuhe oder einen Staubsauger geht:
- Auslöser Etwas passiert: eine Verlobung, eine kaputte Kette, ein defektes Gerät, ein Geschenk wird gesucht, eine Renovierung steht an. Oft reicht ein Kommentar eines Freundes: „Du solltest die Uhr mal überholen lassen."
- Erste Orientierung – meist am Handy Der Kunde tippt „Juwelier in [Stadt]“, „Schuhgeschäft in der Nähe“ oder „Staubsauger Reparatur“ in Google ein. Manchmal öffnet er direkt Google Maps. Auf dem Sofa, in der Mittagspause oder an der Bushaltestelle.
- Vergleich und Vorauswahl Jetzt wird gescannt: Öffnungszeiten, Bewertungen, Fotos, Website, Social-Media-Auftritt. Viele Kunden entscheiden in 30–60 Sekunden, welches Ladengeschäft überhaupt in Frage kommt.
- Entscheidung und letzte Absicherung Häufig wird noch kurz angerufen oder per WhatsApp, Instagram oder E-Mail gefragt: „Können Sie …?“, „Was kostet ungefähr …?“, „Braucht man einen Termin?“. Hier entsteht Vertrauen – oder Zweifel.
- Konkreter Weg ins Geschäft Der Kunde startet die Navigation oder plant den Weg für später. Parken, Erreichbarkeit mit Bus oder Fahrrad und die Frage „Ist das jetzt wirklich offen?“ spielen eine große Rolle.
Wichtig: Viele Händler sehen nur Stufe 5 – wenn jemand tatsächlich im Laden steht. Die Schritte davor sind aber der Hebel, an dem Sie ansetzen können.
Was löst den Weg ins Ladengeschäft typischerweise aus?
Der Start der Customer Journey liegt erstaunlich oft im Alltag, nicht im Internet. Typische Auslöser:
- Der Verlobungsplan steht, der Trauring-Kauf schiebt sich immer wieder.
- Eine Kundin bleibt mit der Jacke am Schmuck hängen, die Kette reißt.
- Eine ältere Uhr bleibt stehen, kurz bevor ein Familienfest ansteht.
- Schuhe drücken, weil am Wochenende ein langes Event ansteht.
- Spontane Einladung zum Geburtstag, Geschenkidee fehlt.
In vielen Fällen dauert es Tage oder Wochen vom Auslöser bis zur aktiven Suche. Der Bedarf „arbeitet“ im Hintergrund. Entscheidend ist dann der Moment, in dem der Kunde wirklich ins Handeln kommt. Typische Alltagsszenen:
- Abends auf dem Sofa: Handy in der Hand, schnelle Suchanfrage bei Google.
- In der Mittagspause: „Was gibt’s hier in der Nähe?“ über Google Maps.
- Auf Empfehlung hin: „Such mal nach dem Goldschmied an der … Straße.“
Was Sie daraus lernen können:
- Empfehlungen brauchen eine „digitale Landkarte“ Wenn jemand Ihr Ladengeschäft empfiehlt, sucht der Empfänger fast immer kurz online nach Ihnen. Fehlt ein Eintrag bei Google, sind Öffnungszeiten falsch oder Bewertungen schlecht, verpufft die Empfehlung teilweise.
- Anlässe nutzen Wer klare Anlässe sichtbar macht („Trauring-Beratung“, „Uhrenrevision ab 89 €“, „Reparatur von Erbstücken“), wird bei den typischen Szenen eher ausgewählt. Das kann schon mit Texten im Google-Unternehmenseintrag oder auf einer einfachen Website beginnen.
- Zeitdruck ist Ihr Verbündeter – oder Gegner Kurz vor dem Event, Fest oder Termin will niemand unsicher sein. Wenn Ihr Profil spontane Sicherheit ausstrahlt („heute geöffnet“, klare Öffnungszeiten, sichtbare Telefonnummer, echte Fotos vom Laden), sind Sie im Vorteil.
Hier geht es noch nicht um Marketingkampagnen, sondern um die Frage: Sind Sie im Kopf und im Handy der Menschen präsent, wenn der Bedarf konkret wird?
Wie wichtig sind Google, Maps und Bewertungen vor dem Ladenbesuch?
Für die meisten lokalen Käufe ist die „digitale Hauptstraße“ nicht mehr die eigene Website, sondern Google Maps und der Google-Unternehmenseintrag. In vielen Customer Journeys läuft es so:
- Kunde sucht „Juwelier [Ort]“.
- Es erscheint eine Karte mit drei bis zehn Treffern.
- Der Kunde tippt auf 1–3 Einträge, prüft Bewertungen, Fotos, Öffnungszeiten.
- Dann wird angerufen oder die Navigation gestartet.
Was Kunden hier typischerweise prüfen:
- Bewertungen (Google-Bewertungen, Sterne-Anzahl, letzte Bewertungen) Fünf Bewertungen aus 2018 wirken schwach. 30–80 Bewertungen, einige aus den letzten Wochen, vermitteln: „Da passiert etwas.“
- Fotos vom Laden und von Produkten Kunden wollen sehen: Ist das eher ein modernes Geschäft? Eher klassisch? Wirkt es gepflegt? Ein, zwei Fotos vom Schaufenster und vom Innenraum bringen viel.
- Öffnungszeiten und Erreichbarkeit Samstags bis 13 Uhr offen, aber Google zeigt „jetzt geschlossen" – das kostet reale Besuche.
Was Sie konkret tun können:
- Google-Unternehmenseintrag claimen und pflegen Den eigenen Eintrag bei „Google Unternehmensprofil“ (früher Google My Business) kostenlos einrichten oder übernehmen. Einmal sauber machen: Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer, Link zur Website, Kurzbeschreibung, Kategorien.
- Einfach um Bewertungen bitten Beispielsweise pro Woche ein bis zwei zufriedene Kunden gezielt ansprechen: „Wenn Sie mögen, freuen wir uns über eine kurze Bewertung bei Google.“ Kein Druck, kein Gewinnspiel nötig.
- Mindestens 5–10 gute, aktuelle Fotos einstellen Ladenfront, Innenraum, typische Ware, vielleicht eine Reparatur- oder Anfertigungsszene. Smartphone reicht, solange es halbwegs ordentlich aussieht.
Ohne diesen Schritt findet zwar Laufkundschaft den Weg ins Geschäft, aber viele bewusst Suchende gehen an Ihnen vorbei, ohne dass Sie es merken.
Warum springen Kunden kurz vor dem Ladenbesuch noch ab?
Viele Einzelhändler glauben, Kunden kämen wegen des Preises nicht. In der Praxis scheitert der Weg ins Ladengeschäft oft früher – bei ganz banalen Dingen. Typische Abbruchpunkte:
- Unklare oder widersprüchliche Öffnungszeiten Website sagt „Montag geschlossen“, Google zeigt „Montag geöffnet“. Kunde ist unsicher, ruft an, niemand geht ran. Ergebnis: Der Kunde fährt nicht los.
- Telefon wird mehrfach nicht abgenommen Drei bis vier Klingelzeichen, dann die Mailbox. Keine Info wie „Wir rufen zurück“. Gerade bei höheren Beträgen (Trauringe, Goldankauf, hochwertige Schuhe) holt sich der Kunde lieber Sicherheit beim nächsten Anbieter.
- Keine Preise, keine Orientierung Nicht jede Leistung braucht eine feste Preisliste. Aber viele Kunden wollen eine Größenordnung: „Revision einer Standard-Quarzuhr ab 60–80 €“, „Trauringe ab 400 € pro Paar“. Komplett fehlende Preise wirken abschreckend.
- Schlechter erster Eindruck online Verschwommene Fotos, veraltete Beiträge („Frohe Weihnachten 2019“), seltene Antworten auf Bewertungen oder Nachrichten: Das wirkt schnell nachlässig.
- Standort-Hürden Keine Info zur Parksituation, keine Beschreibung „Eingang im Hinterhof“, keine Hinweise für Menschen mit Rollator oder Kinderwagen.
Was Sie daraus lernen können:
- Prüfen Sie Ihre Customer Journey aus Sicht eines Fremden. Nehmen Sie Ihr Handy, suchen Sie „[Ihr Angebot] in [Ihr Ort]“ und tun Sie so, als würden Sie Sie nicht kennen. An welchen Stellen hätten Sie Fragezeichen?
- Minimale Verbesserungen reichen oft: ein aktualisierter Eintrag, ein Anrufbeantworter mit klarer Info („Wir melden uns bis … zurück“), ein kurzer Hinweis zur Parksituation auf der Website.
Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, die größten Unsicherheiten zu entfernen.
Welche Rolle spielen Website, Social Media und Messenger vor dem Besuch?
Für den Weg ins Geschäft zählt weniger, wie „schön“ etwas ist, sondern welche Fragen es beantwortet. Die Kanäle spielen unterschiedliche Rollen:
Website
- Basisinformationen: Was machen Sie genau? Für wen? In welchem Preisrahmen?
- Öffnungszeiten, Kontaktwege, Standort mit Karte.
- 3–5 typische Leistungen kurz beschrieben, gern mit Preisspannen.
Eine einfache, klare Website reicht oft. Wichtig ist, dass sie auf dem Handy gut lesbar ist. Viele Kunden schauen sie nur 1–2 Minuten an.
Social Media (z.B. Instagram, Facebook)
- Für viele Kunden ein „Blick durchs Schlüsselloch“.
- Hilft, Stil und Qualität einzuschätzen: eher klassisch, eher modern, eher günstig, eher hochwertig.
- Besonders bei Schmuck, Mode, Wohnaccessoires oder Geschenkartikeln wirkt ein lebendiger Feed.
Hier gelten zwei Grundsätze:
- Lieber wenig, aber regelmäßig posten (z.B. 1x pro Woche) als fünf Posts und dann sechs Monate Ruhe.
- Die letzten sechs Beiträge sind wichtiger als alles davor – viele Kunden scrollen nicht weiter.
Messenger (WhatsApp Business, Instagram-DMs, Facebook-Messenger)
- Viele Kunden möchten vor einem Ladenbesuch kurz schreiben: ein Foto schicken, eine Frage stellen, einen Termin abklären.
- Eine klare Antwort innerhalb von 24 Stunden erhöht die Chance auf einen realen Besuch deutlich.
Sie müssen nicht überall aktiv sein. Wichtiger ist: Die Kanäle, die sichtbar sind, sollten funktionieren. Ein totes Instagram-Profil mit der letzten Antwort von 2022 hilft niemandem.
Wie können Sie Ihre eigene Customer Journey praktisch prüfen und verbessern?
Sie müssen kein Marketingprofi werden, um den Weg ins Geschäft zu erleichtern. Ein praktikabler Ansatz für kleine Betriebe:
- Selbst-Test mit Fremd-Brille
- Suchen Sie auf dem Handy nach „[Ihr Angebot] [Ihr Ort]“.
- Klicken Sie auf Ihr Ladengeschäft im Kartenausschnitt.
- Öffnen Sie Ihre Website und Ihr Instagram/Facebook-Profil.
- Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Würde ich verstehen, was dieser Laden macht?
- Wüsste ich, wann geöffnet ist?
- Hätte ich eine Preis-Vorstellung?
- Würde ich mich trauen, da hinzugehen?
- Freunde oder Stammkunden um ehrliches Feedback bitten Zwei, drei Leute reichen. Bitte mit klaren Fragen: „Wenn du mich nicht kennen würdest – würdest du so kommen? Was fehlt dir?“
- Drei konkrete Baustellen auswählen Beispiel:
- Google-Unternehmenseintrag aufräumen.
- Öffnungszeiten überall angleichen.
- Jeweils eine typische Leistung mit Preisspanne auf der Website ergänzen.
- Kleine Routinen einführen
- 1x pro Monat: alle Angaben online gegen die Realität prüfen.
- 1x pro Woche: ein Foto vom Laden oder einem Produkt posten.
- Täglich: einmal morgens und einmal nachmittags Nachrichten und Bewertungen prüfen.
Erwarten Sie keine Wunder über Nacht. Aber viele Einzelhändler berichten: Schon wenige Wochen nach solchen Anpassungen kommen Sätze wie „Ich habe Sie bei Google gefunden“ oder „Ihre Bewertungen haben mich überzeugt“ häufiger vor.
Was sollten Sie jetzt konkret tun – und was nicht?
Wenn Sie Ihren Weg ins Ladengeschäft verbessern wollen, hilft ein nüchterner Blick auf die Fakten:
- Ohne gepflegten Google-Eintrag fehlt ein entscheidendes Puzzleteil. Prüfen Sie innerhalb der nächsten Tage: Finden Sie Ihr Geschäft mit einem typischen Suchbegriff? Sind dort Öffnungszeiten, Telefon, Adresse und ein paar Fotos aktuell?
- Ohne klare Infos zu Angebot und Preisrahmen bleibt Unsicherheit. Schauen Sie Ihre Website oder Ihr Google-Profil an: Wird ein Außenstehender in 30 Sekunden verstehen, was Sie anbieten und ab welcher Größenordnung es sich bewegt?
- Ohne erreichbare Kontaktwege geht Vertrauen verloren. Prüfen Sie, ob Telefon, E-Mail und ggf. Messenger zuverlässig bedient werden – oder ob Sie lieber weniger Kanäle sichtbar lassen sollten, diese dann aber zuverlässig nutzen.
Was Sie vermeiden sollten:
- Sich in allen möglichen Netzwerken gleichzeitig zu verzetteln.
- Perfektion anzustreben und daher gar nicht erst anzufangen.
- Kunden auf Bewertungen anzusprechen, wenn die Situation nicht passt.
Konzentrieren Sie sich auf die paar Stationen der Customer Journey, in denen Ihre Kunden heute wirklich unterwegs sind: Suche, Karten-App, kurze Information, Kontakt, Wegplanung. Wenn diese Schritte einigermaßen reibungslos funktionieren, haben Sie schon viel für zusätzliche reale Ladenbesuche getan – ganz ohne große Kampagnen.
// FAQ
Häufige Fragen
Was bedeutet Customer Journey für ein kleines Ladengeschäft konkret?
Die Customer Journey beschreibt den Weg, den ein Kunde von seinem Bedarf bis zum Besuch Ihres Ladengeschäfts zurücklegt. Dazu gehören Auslöser, Online-Suche, Vergleich, Kontaktaufnahme und der konkrete Weg in den Laden. Wenn Sie diese Stationen verstehen, können Sie gezielt Hürden abbauen, die Kunden unbemerkt von einem Besuch abhalten.
Wie wichtig ist Google wirklich für meinen Ladenbesuch, wenn ich viele Stammkunden habe?
Für Stammkunden ist Google weniger entscheidend, aber für neue Kunden und Empfehlungen spielt es eine große Rolle. Viele Menschen, die von Ihnen hören, suchen trotzdem kurz bei Google oder in Google Maps nach Ihnen. Wenn dort Öffnungszeiten, Bewertungen und Kontaktdaten stimmen, werden aus Empfehlungen eher reale Besuche.
Brauche ich unbedingt Social Media, um mehr Kunden in mein Geschäft zu bekommen?
Social Media ist hilfreich, aber kein Muss. Wichtiger ist ein gepflegter Google-Eintrag und eine einfache, aktuelle Website mit klaren Informationen. Wenn Sie Social Media nutzen, sollten Sie es regelmäßig und verlässlich tun; ein verwaister Kanal ohne aktuelle Beiträge hilft selten bei der Entscheidung für einen Ladenbesuch.
Muss ich genaue Preise online nennen oder reichen Preisspannen?
Genaue Preise sind oft schwierig, vor allem bei individuellen Arbeiten oder Reparaturen. Preisspannen wie „Trauringe ab 400 € pro Paar“ oder „Uhrenrevision ab ca. 80 €“ geben Kunden aber eine Orientierung. So entsteht weniger Unsicherheit, und die Hemmschwelle für einen Anruf oder Ladenbesuch sinkt.
Leon Schmidt
Baut und betreut Websites für Handwerk und Handel — Spelle.